|
|
|
In
Mülheim wurde der Ton in runden Schächten gewonnen, die
im Ton zu einer Glocke erweitert wurden. Der Ein- und Ausstieg erfolgte
mittels einer Leiter. Allmählich ging man zum heute noch üblichen
Reifenschacht über.
|

"Tonabbau unter Tage Rübenach"
|
In
den 80 er Jahren steigerte sich der Tonbedarf so, dass unser Großvater
im Herbst 1890 an
die Anlegung eines Tagebaues heranging, angeregt durch den ersten
Tagebau, den die Firma Vygen 1884 auf dem Erlenhof bei Ransbach angelegt
hatte. Für die damalige Zeit war es ein kühnes Unternehmen
ohne technische Hilfsmittel, nur auf Menschenkraft angewiesen
20 - 30 m Abraum bewältigen zu müssen, bei einem Abbauwürdigen
Lager von kaum mehr
als durchschnittlich 3 m. Die gewaltigen Abraummassen einerseits und
der Mangel an
geeignetem Haldengelände andererseits, sollten Peter Ludwig II
noch schwere Sorgen
bereiten. In den letzten Februartagen des Jahres 1897 erlebte er den
ersten Bergrutsch,
1902 rutschte es ein zweites Mal auf der Ludwigshöhe.
Handelte es sich bisher um die üblichen Rutschungen, von denen
kaum ein Tagebau verschont blieb, so nahm der Bergrutsch, der am 25.März
1906 begann und mehrere Tage anhielt,
Existenzbedrohende Formen an. Die Beseitigung der Bergschäden,
es waren 25 Häuser eingestürzt und 101 Häuser beschädigt,
und die Sicherung des Geländes erforderten mehr
als eine viertel Million.
Zu den angedeuteten rein bergbaulichen Schwierigkeiten gesellten sich
selbstverständlich frühzeitig solche, rein kaufmännischer
Natur. Unsere beiden Ahnherren Peter Ludwig I
und Peter Ludwig II blieben naturgemäß nicht konkurrenzlos.
Ein wahres Tonfieber hatte die Gegend erfasst. In wenigen Jahren waren
in Mülheim - Rübenacher Höhe - 27 Konkurrenz-Unternehmen
entstanden, die mit ausgesuchtem Geschick die Preise nach unten orientierten.
Mit viel Ausdauer und Zähigkeit gelang es allmählich den
potenteren Firmen Krupp, Ludwig, Mannheim, Flöck Müller
usw. die kleineren zur Aufgabe ihrer bescheidenen Förderung zu
zwingen.
Ein ähnlich buntes Treiben und Leben spielte sich zur gleichen
Zeit auf dem gegenüberliegenden Kärlicher Berg ab. Hier
waren es 19 Kleinstbetriebe, die sich gegenseitig das Leben sauer
machten. In den Jahren 1890 - 1893 schlossen sich die größeren
Firmen Hünermann, Mannheim, Ludwig und Capitain zu den Kärlicher
Thonwerken GmbH zusammen. Angeregt durch den Mülheimer Tagebau,
eröffneten die Kärlicher Tonwerke 1898 den heute noch in
Betrieb befindlichen Tagebau. |
Peter
Ludwig II mit seiner Ehefrau
Maria Müller aus Mülheim
|
Mit
einem erheblichen Geldgewinn trat unser Großvater nach einigen
Jahren aus der Gesellschaft aus, um das gewonnene Geld sofort wieder
in Felder auf dem Kärlicher Berg anzulegen.
Ein Schachzug, der ihm nicht zum Segen gereichte, denn die Felder
die er kaufte,
lagen weit zerstreut auseinander und waren zur Anlage eines Tagebaues
denkbar ungeeignet. Der Konkurrenzkampf der beiden Hauptexponenten
Ludwig auf der Mülheimer Seite - Mannheim auf der Kärlicher,
wurde mit außergewöhnlicher Schärfe durchgefochten.
Schicksalsschläge auf beiden Seiten brachten allmählich
beide Gegner zur Einsicht, die Vernunft siegte und man gründete
1908 ein Syndikat in Form der Verkaufsstelle der Kärlicher -
Mülheimer Tonwerke. Es erfolgte ein durchgreifender Austausch
des gegenseitigen Landbesitzes.
Klare Verhältnisse wurden geschaffen, eine säuberliche Trennung
Ludwig auf der Mülheimer Seite, die Kärlicher Tonwerke Mannheim
auf dem Kärlicher Berg waren der Erfolg. Ende des Syndikats 1923. |
|